Kreis Rottweil – Auch taubblinde und hörsehbehinderte Menschen können sich vor Straftaten schützen. Das ist das Fazit der Teilnehmer an einem Seminar für Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigung in Rottweil, das von der katholischen Seelsorge für Menschen mit Hörsehbehinderung/Taubblindheit der Diözese Rottenburg-Stuttgart gemeinsam mit der Polizeidirektion Rottweil und »Frauen helfen Frauen« durchgeführt wurde.Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung ihre Umwelt nur eingeschränkt wahrnehmen können, werden immer wieder Opfer von Straftaten. Ein besonders abstoßendes Beispiel schilderte einer der sehbehinderten Teilnehmer, die sich jetzt zum Seminar zum Thema Selbstverteidigung – Selbstschutz im Gemeindezentrum der katholischen Kirche »Auferstehung Christi« in Rottweil trafen.
Der Mann hatte damals die Polizei gerufen, weil es in dem Mehrfamilienhaus, in dem er wohnt, sehr laut zuging. Wenig später, als die Polizei für Ruhe gesorgt hatte, hatte es an seiner Wohnungstür geklingelt. In Erwartung der Polizeibeamten öffnete der Mann die Tür.
Behinderte werden Opfer von Diebstählen und Trickbetrügereien
Es waren aber nicht die Beamten, sondern die beiden Männer, die offenbar zuvor für den Lärm verantwortlich waren und sich nun an dem Anzeigerstatter rächen wollten. Sie drängten ihn in seine Wohnung, schlugen auf ihn ein und drückten brennende Zigaretten an seinem Hals aus. Die Täter wurden ermittelt und strafrechtlich zur Verantwortung gezogen.
»Die geschilderte Straftat ist sicher ein sehr drastischer Fall und in seiner Intensität eine Ausnahme«, so Polizeisprecher Ulrich Effenberger. Viel häufiger nutzten Straftäter die eingeschränkte Wahrnehmungsfähigkeit von taubblinden und hörsehbehinderten Menschen zu Diebstählen oder Trickbetrügereien aus.
Taubblinde und hörsehbehinderte Menschen vor Straftaten schützen ist deshalb ein Ziel, das von Peter Hepp in seiner Eigenschaft als Diakon der Diözese Rottenburg-Stuttgart schon längere Zeit verfolgt wird. In Josef Bronner, Christof Fleig, Anja Hoppe und Thomas Grathwohl von der Polizeidirektion Rottweil und Theresia Dreischulte-Klos von »Frauen helfen Frauen« hat er erfahrene Partner gefunden, mit denen der selbst taubblinde Diakon bereits zum dritten Mal ein solches Seminar anbieten konnte.
Die Mehrzahl der Teilnehmer hatte bereits an den vorangegangenen Seminaren teilgenommen und konnte jetzt ihr Wissen vertiefen und ausbauen.
Die Referenten machten in den Gesprächen, die von Dolmetschern und Begleitern per Gebärdensprache und Tastalphabet durchgehend übersetzt wurden, sensibel für kritische Situationen, gaben aber auch Hilfestellung, wie Behinderte im Ernstfall auf sich aufmerksam machen oder sich selbst wehren können.
Im theoretischen Teil wurde dabei nicht nur auf Betrugs- oder Diebstahlsmaschen aufmerksam gemacht, sondern auch Notwehr- und Opferschutzrechte behandelt. Im praktischen Teil standen einfache Techniken zur Selbstverteidigung auf dem Programm, die von den Polizeibeamten mit den Teilnehmern eingeübt wurden.[Bild und Text Quelle]





