Von Schwarzwälder-Bote, am 29.09.2010
Von Babette Staiger Schwarzwald-Baar-Kreis. “Nicht da ist man daheim wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird.” Diesem Leitspruch Christian Morgensterns folgend, feiert der Gehörlosenverein Schwarzwald-Baar am 2. Oktober sein 75-jähriges Bestehen.Zwar hat die älteste Selbsthilfegruppe im Kreis durch ihre unermüdliche Arbeit schon viel für die Vernetzung der Gehörlosen untereinander getan und zeichnet unter anderem auch verantwortlich für die VHS-Kurse zur Gehörlosensprache, doch ist längst noch nicht alles getan für eine gelungene Integration der gehörlosen Menschen in unsere Gesellschaft. So wünscht sich der Landesvorsitzende, Wolfgang Reiner, dass die Gebärdensprache schon in den Grundschulen gelehrt werden sollte, um Hörende und Gehörlose zu verbinden. Christa Lörcher, Schirmherrin des Vereins, macht auf die seit 2009 in Deutschland geltende UN-Behindertenrechtskonvention aufmerksam. Diese fordert ein selbstbestimmtes Leben für Behinderte ein und verpflichtet die Staaten, jeweils die Infrastruktur dafür zu schaffen. Schon seit seiner Gründung 1935 setzt sich auch der Gehörlosenverein im Kreis dafür ein, dass Gehörlose sich an den Wochenende treffen können, um einmal das Gefühl zu genießen, barrierefrei verstanden zu werden. So gründeten sich mit der Zeit auch Sport- und Freizeitgruppen für jedes Alter. Immer wieder gibt es Vorträge zu einer Vielfalt von Themen. Der Verein will aber vor allem offen sein für die Gesellschaft und setzt sich für einen guten Austausch mit Hörenden ein, vom Arbeitgeber bis zu öffentlichen Institutionen wie der VHS. Um alle Interessierte und Engagierte einzubinden, feiert der Verein diese unermüdliche Arbeit am 2. Oktober ganz groß in der Villinger Tonhalle. Bereits um 14 Uhr eröffnet eine Kunstausstellung den Tag. Die gehörlosen Künstler Dieter Fricke, Uli Braig, Sabine Retting-Dell sowie das Ehepaar Hiltrud und Gunter Freitag zeigen in bunter Vielfalt ihre Wahrnehmung der Welt. Um 19 Uhr beginnt dann die eigentliche Feier, mit einer Pantomime der Gruppe Jomi, sowie Theaterstücken der Gehörlosenensembles “Thow & Show” und “Handstand”. Durchbrochen wird dieses Programm mit Festreden der ersten Vorsitzenden Ursula Schmidt, sowie der Schirmherrin Christa Lörcher. Reden und Theaterstücke werden dabei für Hörende gedolmetscht. Statt Eintritt gibt es Lose für eine Tombola, mit etwas Glück ist ein TV-Gerät zu gewinnen. [Text Quelle]





