“Jeden Tag rund 30 Kilometer”
Auf einen Kaffee mit…Günter Schroeter, gehörloser Ultra-Langstreckenläufer aus Waldshut. Der 72-Jährige spricht mit uns über sein Handicap und 24-Stunden-Läufe.
Ulrike Ebner: Schroeter, wie lernt man eigentlich Sprechen, wenn man wie Sie seit frühester Kindheit gehörlos ist?
Günter Schroeter: wieder sagen mir Menschen, dass viele Gehörlose nicht so sprächen wie ich. Ich habe das Sprechen und Von-den-Lippen-Ablesen in der Gehörlosen-Schule gelernt. Man muss es aber immer wieder üben, damit das Stimmorgan nicht verkümmert.
Ulrike Ebner: sind mit Ihren 72 Jahren immer noch passionierter Distanzläufer. Wie halten Sie sich fit?
Günter Schroeter: laufe oder wandere jeden Tag zwischen 25 und 30 Kilometer. Meistens verbinde ich das mit dem Einkaufen: Von Waldshut über Koblenz und Leibstadt nach Dogern und wieder zurück. Oder von Waldshut nach Döttingen, über den Berg nach Reckingen, Bad Zurzach, Einkaufen in Tiengen und wieder nach Waldshut. Bei schlechtem Wetter trainiere ich auch auf meinem Heimfahrrad.
Ulrike Ebner: 100 -Kilometer- und 24-Stunden-Läufe sind Ihre Paradedisziplin. Wie lange brauchen Sie für 100 Kilometer?
Günter Schroeter: Bestzeit sind acht Stunden und 24 Minuten, das war 1987 in Biel in der Schweiz. Heute brauche ich zwischen 14 und 15 Stunden. Hauptsache gesund im Ziel ankommen!
Ulrike Ebner: Und wie viele Kilometer laufen Sie in 24 Stunden?
Günter Schroeter: Kilometer habe ich 1989 in Basel geschafft.
Ulrike Ebner: viele Kilometer haben Sie in ihrem Leben denn schon zurückgelegt?
Günter Schroeter: 10 000 und 12 000 Kilometer pro Jahr, also insgesamt mehr als drei Weltumrundungen.
Ulrike Ebner: waren lange Zeit aktiver Wassersportler. Wann und wie entdeckten Sie Ihre Leidenschaft für’s Laufen?
Günter Schroeter: als kleiner Junge war ich Mitglied im Berliner Taubstummen-Schwimmverein und wurde 1956 Deutscher Jugendmeister im 1500-Meter-Kraul. Von 1960 bis 1988 habe ich mich dem Kanusport gewidmet. Das musste ich leider aufgeben, weil die Gepäckwagen aller Züge – ab 1988 – abgekuppelt wurden und der Bootstransport damit unmöglich war. Schade! Danach suchte ich einen Ausgleich zu meinem anstrengenden Berufsalltag als Architekt. Ich habe gelesen, dass Joggen gut sei und auch zur Stärkung meines Gleichgewichtssinns sollte ich immer viel Laufen. So habe ich im Alter von 40 Jahren damit angefangen.
Ulrike Ebner: haben Sie nie am Iron Man teilgenommen?
Günter Schroeter: , Schwimmen, Laufen – das wäre alles zu viel gewesen neben meiner Arbeit. Aber gereizt hat mich der Iron Man schon.
Ulrike Ebner: sportlichen Ereignisse stehen in diesem Jahr noch auf Ihrem Plan?
Günter Schroeter: Einiges! Allein im Mai nehme ich an vier Marathons teil. Im Juni stehen die 100 Kilometer von Biel, die Klettgauer Marschtage und der Marathon in Alt-Hürth bei Köln an.






