Friedrichshafen, 21.11.2010
Ein paar Monate im Ausland verbringen – und dabei Gutes tun. Dieser Gedanke stand für Marion und Thomas Stoll am Anfang. Als die beiden Heilerziehungspfleger aus Friedrichshafen im Frühjahr ihre Reise in die Mongolei antraten, hatten sie vieles im Gepäck – das Standardwerk „Schau doch meine Hände an“ der Zieglerschen Behindertenhilfe war auch dabei.Dass sich daraus eine außergewöhnliche Projektidee entwickeln und dass das Gebärdensprachbuch, das die beiden auf Anraten von Manfred Blank, Heimleiter im Bereich Haslachmühle mit dabei hatten, ins Mongolische übersetzt werden sollte, daran war zunächst allerdings nicht zu denken.
In Ulan Bator trafen die beiden auf extreme Luftverschmutzung, unglaubliche Temperaturunterschiede, ganze Stadtviertel ohne Elektrizität und fließendes Wasser, auf Menschen, die unter der Erde auf Fernwärmerohren leben – eben eine völlig andere Welt, in der auch Menschen mit Behinderung weder in Gesellschaft noch in Arbeitsprozesse integriert sind. „Auf Individualität und Persönlichkeit wird dort nicht eingegangen“, sagen Marion und Thomas Stoll. Durch eine Arbeitskollegin aus dem Landratsamt des Bodenseekreises, wo Stoll für die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung zuständig war, kam der Kontakt zu deren Vater Peter Stache, Kanzler der Deutschen Botschaft in Ulan Bator, und damit auch zum „Rainbow Center“ – einer Schule für geistig Behinderte als „Non Governmental Organisation (NGO)“ – zustande. Dort engagierten sich die beiden Friedrichshafener beim Erstellen von Bildungsplänen und Kompetenzanalysen.
Eine allgemein gültige Gebärdensprache? Womöglich sogar ein Gebärdensprachbuch? In der Mongolei bisher Fehlanzeige. „Darauf wurden wir immer wieder angesprochen“, erzählen Marion und Thomas Stoll. Und so entwickelte sich Schritt für Schritt eine bemerkenswerte Interessengemeinschaft. „Nicht aus unserem Wunschdenken heraus, sondern aus dem Bedürfnis der Mongolen – das macht die Zusammenarbeit umso wertvoller“, so die gemeinsame Erkenntnis. Ein Projektantrag bei der Deutschen Botschaft zur Übersetzung von „Schau doch meine Hände an“, konnte schnell gestellt und genehmigt werden, nachdem auch Bernd Eisenhardt, Manfred Blank und Werner Dudichum im Auftrag der Zieglerschen Behindertenhilfe große Bereitschaft zur Kooperation signalisierten. Eine passende Druckerei zu finden, deren Besitzer gar in Hannover studiert hat, eine Werkstatt ausfindig zu machen, in der vier gehörlose junge Frauen arbeiten, alles fügte sich fast schicksalhaft zusammen – und so konnten vor wenigen Wochen in der Deutschen Botschaft in Ulan Bator 30 druckfrische Exemplare in gute Hände übergeben werden.[Bild und Text Quelle]





