Home » Allgemein » Emsdetten – Gehörloser vor dem Schöffengericht – Ungewöhnliche Verhandlung endet mit Freispruch

Emsdetten/Rheine – 18.08.2011 – Raub und räuberische Erpressung waren die Tatvorwürfe gegen einen 26-jährigen Gehörlosen aus Emsdetten. Letztlich blieb am Donnerstag vor dem Schöffengericht in Rheine lediglich eine Nötigung übrig, “die in der Gebärdensprache möglicher Weise gefährlicher aussah, als sie war” (Zitat des Richters). Das Verfahren wurde ohne Auflagen eingestellt. Bezüglich des Raubes wurde der Angeklagte frei gesprochen. Die gesamte Gerichtsverhandlung fand in Gebärdensprache statt.
Am 9. Juli 2010 soll der Gehörlose am Bahnhof in Emsdetten gemeinsam mit einem Komplizen 30 Euro von einem Zeugen erpresst und dabei Gewalt angewendet haben. Räuberische Erpressung lautete der Tatvorwurf. Aber der Angeklagte berichtete, dass er nur seine zehn Euro zurück verlangt habe, die er dem Zeugen zuvor geliehen hatte. Bei der Rückforderung habe er den Schuldner geschüttelt, das räumte er ein, auch dass er dabei mit der Schulter an die Nase des Zeugen gestoßen sei, die zu bluten begann. Der Komplize habe den Betrag um 20 Euro für sich aufgestockt.
Leeres Portemonnaie präsentiert
Als der Zeuge sein leeres Portemonnaie präsentierte, “zog der Hörende schnell den Personalausweis heraus”, teilte der Geschädigte ebenfalls über den Gebärdensprachen-Dolmetscher aus Emsdetten mit. Der Komplize habe ihm dann eine Schneidebewegung am Ausweis demonstriert, mit der er ihn zwingen wollte, das Geld zu besorgen. Der Zeuge versprach, das Geld zu besorgen, lief nach Hause und rief die Polizei.
Drohung bei Anzeige
Der Raub eines Laptops und einer Spiel-Konsole soll zudem im Wohnheim für Taubstumme und Suchtkranke in Emsdetten im September 2010 geschehen sein. Dort soll der Angeklagte mit demselben Komplizen in das Zimmer des Geschädigten gekommen sein. Beim Verlassen hätte einer eine Geste über die Kehle gemacht, die eine Drohung bei eventueller Anzeige bedeuten sollte.
Geschädigter bestätigt
Auch das verneinte der Beschuldigte vehement. “Ich habe nichts damit zu tun”, gestikulierte er. Er habe den Komplizen sogar vom Raub abhalten wollen. Als er jedoch in der Küche eine Pizza in den Ofen schob, sei der Andere ins Zimmer gegangen. Der Geschädigte bestätigte das auf dem Zeugenstuhl.Obwohl der Angeklagte bereits fünf Mal vorbestraft war, kam er ohne Strafmaß davon. Gegen den Komplizen wird es jetzt eine Verhandlung geben. Allerdings soll er wegen Drogendelikten derzeit bereits inhaftiert sein. (Bild und Text Quelle)
Kategorien: Allgemein, Kriminalität